About Kasar

Arnold Kasar ist ein musikalischer Tausendsassa: in unzähligen Projekten rund um das Berliner Label Sonar Kollektiv hat der aus dem Südschwarzwald stammende Musiker mitgewirkt, darunter bei Nylon und Atomhockey oder mit Volksbühnen-Schauspieler und Internet-Hype der Stunde Friedrich Liechtenstein („Supergeil“). Doch der gelernte Sound-Ingenieur kann auch alleine, wie er 2012 mit seinem Solo-Debüt „The Piano Has Been Smoking“ bewiesen hat. Nun hat es ihn wieder an sein erstes Instrument gezogen und der Zeitpunkt dafür könnte kaum besser sein, spielt doch das Klavier in den letzten Jahren wieder eine immer wichtiger werdende Rolle, wie man an den zahlreichen Veröffentlichungen von Pianisten feststellen kann.

„Ich hoffe es doch, dass es jetzt gerade passt, ich kann es aber nicht beeinflussen. Letztendlich mache ich es wegen mir. Als ich 2010 mit Kasar solo angefangen habe, kannte ich noch keinen Nils Frahm, kein Brandt Brauer Frick und da gab es diese ganzen Leute für mich noch nicht. Gonzales hörte ich und Hauschka und Craig Armstrong gab es natürlich auch schon. Yann Tiersen war damals total berühmt.“ schildert der Pianist seine Wahrnehmung auf die Kollegen zu Zeiten seiner eigenen Solo-Anfänge. Er hat jedoch mit der neuen Veröffentlichung, seinem zweiten Solo-Album „Walk On“, nicht mit einem Hype geliebäugelt. Das Klavier, das Arnold Kasar seit seiner Kindheit begleitet, ist in der Vergangenheit eben stets aus den Aufnahmen gefallen, wenn in der Vergangenheit Musik produziert wurde. Aufgrund dieser langen Beziehung zu seinem ersten Instrument hat er sich damit zeitweilig gelangweilt und sich lieber mit Friedrich Liechtenstein und samplebasierter elektronischer Musik beschäftigt oder bei Sonar Kollektiv das gemacht, wofür das Label ab Mitte der 90er federführend wurde: Nu Jazz. Aber irgendwann war dann doch wieder das Klavier dran.

Das war 2010, da begannen die Arbeiten an der LP „The Piano Has Been Smoking“, die 2012 erschien und sich voll und ganz dem Instrument widmete. Schon damals wandte Kasar die Technik des präparierten Klaviers an, die erstmals von John Cage begründet wurde und derer sich auch ein Hauschka seit Jahren erfolgreich bedient. Mit Radiergummis, Teebeuteln oder Flicken präparierte er sein Instrument und entlockte ihm so ganz neue spannende Töne. Nur einer Komposition, die als Single ausgekoppelt werden sollte („Put A Light On Me“), lieh er seine Stimme, nachdem er keine passende Sängerin dafür gefunden hatte. So kam die Welt erstmalig in den Genuss des dunklen und traurigen Timbre desArnold Kasar. Das Ziel Airplay (u.a. bei FM4 oder RadioEins) wurde dadurch erreicht und fortan war Kasar angefixt von der Idee, zu singen. Denn mit „The Piano Has Been Smoking“ war das Projekt, ein Album mit einem präparierten Klavier aufzunehmen, abgeschlossen. Deswegen kann man ihn – zugegeben, der Vergleich drängt sich ja auf – auch nur bedingt mit Hauschka vergleichen, der diese Technik ja zum Konzept seines künstlerischen Schaffens macht. Doch Kasar zieht eben weiter – ein Rastloser, der nicht aufhören möchte, auszuprobieren.

Das heißt aber nicht, dass er komplett darauf verzichten muss: auch auf „Walk On“ sind einige Stücke mit Unterstützung eines präparierten Klaviers entstanden, doch diesmal steht der Gesang im Vordergrund, wodurch auch das ganze Gefühl dahinter ein anderes wird: „Das letzte Album ist ja mehr noch eine Großstadt-Platte“, mit ihren Techno-Elementen beispielsweise, „und das neue Album ist ja eine Landplatte.“ zu der ihn vor allem Arthur Russells persönlichstes Album „World Of Echo“ inspiriert hat. Auf diesem Album bricht der zu Kultstatus aufgestiegene Komponist mit seiner Disco-Vergangenheit und liefert sich seinem Publikum ausschließlich mit Stimme, Cello und viel Hall aus: „Ein Song wie „So Called Lover“ ist einfach entstanden aus Listening-Sessions mit Arthur Russell“, erzählt Kasar voller Bewunderung für den 1992 an AIDS verstorbenen Musiker.

Andere Vorbilder sind ebenso überraschend wie nachvollziehbar: „Ich finde Sänger wie den frühen Manfred Krug toll, dieses Warme – natürlich auf Deutsch, aber diese Art von Singen – oder der Sänger von Japan, David Sylvian, das waren die Sachen, nach denen ich mich gerichtet habe. Ganz viel Songwriting-Einfluss hatten Wilco, Nick Drake, Aimée Mann oder auch Bill Callahan.“

Doch wie Kasar zur Bezeichnung „Landplatte“ kommt, erklärt er wie folgt: „Es ist viel mehr Gesang, das ist ein Riesenschritt, es ist viel weniger Elektronik und es ist mehr Platz. Es ist weniger Stadt und es ist viel mehr Land und es ist tatsächlich für mich diese Landplatte. „Jungholz“ ist der Name eines Dorfes im Südschwarzwald, „Ödland“ ist der Name des höchsten Berges im Südschwarzwald und „Ein Engel Verschwand“ ist eine Adaption von dem Ort „Engelschwand“ im Südschwarzwald. „So Called Lover“ spielt – „a shady town in the shore“ – in gewisser Weise auch am Rhein, das ist der Fluss, den man meinen könnte, und diese „weeping willow“, diese Trauerweide, alles das sind Sachen, die so aus meiner Erinnerung kommen – ich komme ja aus der Gegend. Das ist nicht autobiographisch, aber ich habe mir da einfach vorgestellt, wie es damals war, vor dieser Trauerweide zu sitzen, am Fluss. Teilweise sind die Stücke da auch aufgenommen: „Ein Engel Verschwand“, „Jungholz“ und „Ödland“ und fast alle Playbacks sind auf dem Klavier aufgenommen, auf dem ich als Kind geübt habe. Ich habe es immer gehasst, dieses Klavier, so ein Instrument von Hohner, furchtbarer Klang, aber wenn du da dieses Filzpedal reinmachst klingt das immer so kauzig, ganz komisch – das klingt nicht wie Steinway, groß, sondern klein.“ Autobiographisch soll das alles also nicht sein, doch ohne diese Lebenserfahrungen, die er in den Weiten des Südschwarzwaldes gemacht hat, wäre „Walk On“ wohl nie entstanden.

Das dem Album seinen Namen gebende Stück war das erste, das Kasar für „Walk On“ geschrieben hatte. Das war gleich nach dem Release seines Debüts, zu dessen Zeit sich der studierte Theaterwissenschaftler in einem regelrechten Kompositionsfluss befand. Viele Skizzen waren so zwar schnell fertig, dennoch hat er sich ewig Zeit gelassen: die Produktionsphase war gar – mit Unterbrechungen – von Frühling 2012 bis Oktober 2013. Seit Februar 2014 wartet zwar die neue LP darauf, auf den Markt geworfen zu werden, doch gut Ding will Weile haben: solche Songs, in denen das Klavier klingt wie Regentropfen, die die Tonleiter herunterkullern, während im Hintergrund ein elektronisches Noisegewitter tobt („Ödland“) oder mal so zerbrechlich wirken, dass es einem plötzlich die Tränen in die Augen treibt („Care“), passen einfach in die sterbende Jahreszeit am Besten.

Dass hier allerdings nicht alles melancholisch, klingt beweist das sich vom Rest der Platte deutlich abhebende „Dawning“: mit zackigem New Wave-Beat, sexy 80s-Saxophon und lebensbejahendem Refrain zeigt Kasar auch seine Uptempo- Fähigkeiten und bietet sich somit ganz unbedingt auch wieder für die Rotationen der Radiostationen an.

Nicht ganz so schnell geht es bei der Kollaboration mit einer alten Bekannten: Lisa Bassenge, ihreszeichen Sängerin von Micatone und Arbeitskollegin von Kasar bei Nylon, singt mit ihm zusammen auf dem hypnotischen „Dance To The Mallet“, das zwar jazzig daherkommt, sich allerdings mit seinem elektronischen Unterbau auch schon für diverse Remixer anbietet. Zur Zusammenarbeit kam es auf ganz unspektakuläre Weise: „Irgendwann waren wir essen und ich hab erzählt, dass ich ein Album mache und da hat sie spontan gesagt, dass ich mich gern bei ihr melden könne, wenn ich mal Hilfe brauche. Also hab ich sie dann ein paar Monate später kontaktiert und hab ihr das Stück vorgespielt und sie fand das gleich geil. Sie hat noch den Text dazu gemacht und dann haben wir es schnell in einem Rutsch aufgenommen. Paul Kleber, ihr musical director, der spielt auch mit bei „You“, Sebastian Borkowski von Jazzanova spielt noch Saxophon: also es ist alles so ein bißchen diese Familie rund um Sonar Kollektiv und Micatone.“ It stays all in the family.

Arnold Kasar is a musical jack of all trades: in countless projects around the Berlin based label Sonar Kollektiv, the musician grown in the southern area of the picturesque Black Forest left his traces, among them Nylon, AtomHockey or with Volksbühne-player and latest Internet-Hype Friedrich Liechtenstein („Supergeil“). However, the trained sound-engineer is also capable of going solo, as he proved with his solo debut „The Piano Has Been Smoking“ in 2012. Now he returned to his first instrument and his timing couldn’t be better, since the piano returned to new strength in the music world, as the numerous releases of pianists in the past few years have shown.

„I really hope that the timing is good, but I can’t influence it. At last I do it for my own. When I started doing music as Kasar back in 2010, I just didn’t know Nils Frahm or Brandt Brauer Frick. All these people weren’t on the spot by then. I listened to Gonzales and of course Hauschka and Craig Armstrong were there, too. Yann Tiersen was totally famous at that time“, the pianist explains his view on his colleagues when he started making music by himself. But, with releasing his second album „Walk On“ at this point, he didn’t intend to flirt with a hype. The piano, which has accompanied Arnold Kasar from his childhood on, always just fell out of the recordings in the past. Due to this enduring relationship to his first instrument he got bored of it. Instead, he preferred to dedicate himself to sample-based electronic music with his friend Friedrich Liechtenstein or making Nu Jazz in several musical projects around the world-famous Berlin based Sonar Kollektiv (home to Jazzanova, The Black Seeds or Solomun). But sooner or later the piano had to return to the centre of attention.

That was in 2010: at that point the work on the new LP „The Piano Has Been Smoking“ had started, being released in 2012 and fully concentrating around the piano. By then Kasar already used the technique of the prepared piano, which once was introduced by John Cage and nowadays is excessively used by Hauschka, among others. For this Kasar used erasers, tea bags or patches to manipulate the sound of the piano and to bring out unheard and exciting tones of his instrument. Only one song, the designated single „Put A Light On Me“, was supposed to have a vocal track, but after he didn’t find the right voice for it, he simply sang it himself. Like this, for the first time the world got to hear the dark and melancholic timbre of Arnold Kasar. The desired airplay (i.a. Austrian „FM4“ or Berlin’s „RBB RadioEins“) was achieved easily and from that moment on Kasar was delighted by the idea of singing on his own productions, since he had closed the chapter of producing an album on aprepared piano anyway. For this reason the comparison with an artist such as Hauschka, who made this technique the concept of his own creative work, is merely adequate. Kasar rather walks on, restless and always willing to try something new.

But this doesn’t mean that he has to quit it completely: also on „Walk On“ one finds a few pieces with the support of the prepared piano, but this time the singing is clearly in the foreground. Like this, the whole vibe of the record changes: „I’d say the last record was way more a city record“ referring to the by then used techno-elements, for example, „and the new one is a record for the countryside.“, especially inspired by Arthur Russell’s most intimate album „World Of Echo“. On this record the composer who rose to cult status in the past years leaves the disco era behind him and presents a fragile artist using voice, cello and a lot of reverb only: „A song like „So Called Lover“ mainly emerged from Arthur Russell listening sessions“, Kasar tells full of admiration for the musician who died of AIDS in 1992.

Other role models are surprising as well as comprehensible: „I like singers like the early Manfred Krug a lot, this warm and tender voice – of course, in German, but the way he sang – or Japan’s singer David Sylvian, those were the things I acted on. Much songwriting- inspiration came from Wilco, Nick Drake, Aimée Mann or also Bill Callahan.

But how Kasar came to the definition „countryside record“ is a story of its own: „It is way more singing this time, that’s a huge leap, it’s much less electronics and there’s more space. It’s less town and much more landscape and for me it really is this countryside record. „Jungholz“ for example is the name of a village in the southern Black Forest, „Ödland“ is the name of the highest mountain in that area and „Ein Engel Verschwand“ is an adaptation of another village’s name there called „Engelschwand“. „So Called Lover“ takes place in „a shady town in the shore“, which in a way is a reference to the Rhine, which could be the mentioned river, and this „whipping willow“, all these are things coming out of my memories, since I originate from that area. It’s not autobiographic but I simply imagined how it was back then, sitting under the willow by the river. Partly I recorded the songs right there: „Ein Engel Verschwand“, „Jungholz“ and „Ödland“ and nearly all playbacks were recorded on the piano on which I practiced when I was a child. I always hated it to play this piano: a Hohner, awful sound, but once you used the felt pedal it got such an odd sound, really strange – that’s not the sound of a great Steinway, but small and odd.“ So all of this isn’t supposed to be autobiographic but without all these experiences Kasar gained in the depths of the southern Black Forest, „Walk On“ probably would never have come into being.

The song that gave the album its title was the first Kasar had written for „Walk On“, right after the release of his debut record. At this stage the theatre art graduate was in a downright stream of composing. Many songs were quickly outlined, however he took ages to get to the finished product. The production phase lasted – with interruptions – from spring 2012 to fall 2013. And since February this year the record is waiting to be thrown onto the market, but haste makes waste. Songs like those you find on „Walk On“, where the piano sounds like raindrops rolling down the scale, while there’s an electronic tempest in the background („Ödland“), or which are so fragile they bring tears to your eyes („Care“) simply have to be released in the dying season.

But who thinks that everything on this album is melancholic and sad is proven wrong by „Dawning“, which isn’t at all like the rest of the LP: with a jagged new wave beat, a sexy 80s sounding sax and an optimistic chorus, Kasar also shows his up-tempo side and gives some unmissable signs towards radio airplay.

A whole lot slower is the collaboration with long-time friend Lisa Bassenge, singer of Nu Jazz outfit Micatone and Kasar’s colleague at Nylon. Together they sing the hypnotic „Dance To The Mallet“, which starts off jazzy, but also offers itself – with its electronic substructure – as a huge playground for remixers. However, the way this liaison came up is rather unspectacular: „One time we went out for dinner and I told her about the album I wasworking on and there she immediately offered her help if I needed some. So a few months later I called her and played the song to her and she instantly liked it. She wrote the lyrics to it and then we quickly recorded it in one take. Her musical director Paul Kleber is also involved in the song „You“ and Sebastian Borkowski from Jazzanova plays sax in another song. So it’s sort of all around the Sonar Kollektiv and Micatone”. It stays all in the family.

Media

Discography

  • Walk On – CD, Vinyl & Digital

    Sonar Kollektiv, 2014

  • Kasar Remixed – Alex Barck & Eva Be Remixes, Vinyl & Digital

    Sonar Kollektiv / Fabrique, 2012

  • The Piano Has Been Smoking – CD & Digital

    Fabrique, 2012

  • Nylon – 10 Lieder über Liebe – CD

    Boutique, 2007

  • Friedrich Liechtenstein – Terrestrische Wellen – CD & Digital

    Soul Seduction, 2005

  • Nylon – Eine kleine Sehnsucht – CD-Album

    Universal, 2005

  • Nylon – Die Liebe kommt … – CD-Album

    Universal, 2004

  • Friedrich Liechtenstein – please have a look from above – CD & Digital

    Fabrique, 2004

  • Atomhockey – play off at the digital gate – CD-Album

    Poets Club Records, 2003

  • Karoshi EP – 12inch

    Sonar Kollektiv, 2001

  • Micatone – Nine Songs – CD & LP

    Sonar Kollektiv, 2001

  • 3 Originals EP – 12inch

    Sonar Kollektiv, 2000

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Say hello to Berlin based electronic producer and songwriter Arnold Kasar, also known as a member of the groups Atomhockey (Sonar Kollektiv), Nylon, Liechtenstein & Kasar.

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